Streit mit Bluebell: Richemont macht Zugeständnis

Das Hauptquartier von Richemont in Genf. © Richemont

Das Hauptquartier von Richemont in Genf. © Richemont

Im Streit mit Aktionär Bluebell über Repräsentative im Aufsichtsrat von Richemont hat der Luxusgüter-Konzern zugesagt, nun auch die A-Aktionäre zu repräsentieren.



Das Ringen um die Machtverhältnisse im Aufsichtsrat von Richemont geht weiter. Der Richemont-Aktionär Bluebell Capital Partners möchte einen eigenen Vertreter gewählt sehen; Francesco Trapani den ehemaligen Bulgari CEO und – brisantes Detail – CEO der Watches and Jewellery Division bei LVMH, dem zweiten großen Luxusgüter-Konzern neben Richemont.

Trapani soll nach Wunsch von Bluebell die A-Aktionäre im Aufsichtsrat von Richemont vertreten, die bisher keinen eignen Repräsentanten hatten. Richemont erwirtschaftet mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Schmuck, Uhren und Mode-Accessoires. Die Aktien des Mutterkonzerns von Marken wie Panerai, Cartier, IWC und Jaeger-LeCoultre sind in zwei Kategorien aufgeteilt: Die sogenannten A-Aktien werden an der Schweizer Börse gehandelt, die B-Aktien des Unternehmens sind nicht börsennotiert.

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Richemont Chairman Johann Rupert möchte keine Vertreter der A-Aktionäre im Aufsichtsrat des Konzerns. © Richemont
Richemont Chairman Johann Rupert möchte keine Vertreter der A-Aktionäre im Aufsichtsrat des Konzerns. © Richemont

Bluebell hat Hebelkraft

Wie DerJuwelier.at zuletzt berichtete, sollte die endgültige Entscheidung über die Situation im Aufsichtsrat am 7. September fallen, wenn die nächste Generalversammlung stattfindet.

Nun hat sich Richemont Chairman Johann Rupert im Vorfeld noch einmal in einem Brief zu der Diskussion geäußert. Darin erklärt er, weiterhin am status quo festzuhalten, da die Mitglieder des Aufsichtsrats im Interesse aller Aktionäre handelten. Ruperts Kandidatin für die Anliegen der A-Aktionäre sollte die Südafrikanerin Wendy Luhabe sein, die seit 2020 im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt.

Das Gesetz in der Schweiz, wo der Richemont-Konzern angesiedelt ist, sieht allerdings vor, dass ein Aktionär mit so vielen Firmenanteilen, wie Bluebell Capital Partners sie besitzt, das Recht hat, einen eigenen Repräsentanten zu verlangen. Diese Grundlage kann Bluebell nutzen, um weiterhin auf den Beitritt von Francesco Trapani zu drängen – und auch Johann Rupert muss es wohl einsehen: „Obwohl kein Aktionär jemals um einen Repräsentativen seiner Klasse gebeten hat, in den 34 seit das Unternehmen existiert, wird dieses Jahr offiziell eine Person als Repräsentant der A-Aktionäre im Aufsichtsrat zugewiesen“, erklärt Rupert.


Wendy Luhabe sitzt seit 2020 im Aufsichtsrat von Richemont. © Richemont
Wendy Luhabe sitzt seit 2020 im Aufsichtsrat von Richemont. © Richemont

Zu starke Nähe zu LVMH

Ob es tatsächlich dazu kommen wird, dass Trapani den Posten bekommt, ist fraglich.

„Er ist nicht unabhängig, denn er hat eine langjährige enge Beziehung zur LVMH Gruppe und ihrem größten Aktionär“, erklärt Rupert. Der Richemont Chairman weiß bestens über den Wunschkandidaten von Bluebell Bescheid.

„Trapani war der CEO von Bulgari als das Unternehmen 2011 der Akquise durch LVMH zustimmte. Er hat dort von 2011 bis 2014 als Vorsitzender und CEO der LVMH Watches und Jewellery Division gearbeitet, war von 2011 bis 2016 im Vorstand von LVMH und von 2014 bis 2016 Berater des CEOs. Herr Tampani ist im November 2019, einen Tag nach der Übernahme durch LVMH aus dem Vorstand von Tiffany zurückgetreten.“

Über seine Wunschkandidatin, Wendy Luhabe, sagt Johann Rupert:

„Sie wird sehr geschätzt, sowohl für ihren Scharfsinn in Sachen Corporate Governance als auch für ihren Beitrag in den Bereichen Diversität, Inklusion und Eigenkapital. Sie hat eine deutliche Vorreiterrolle in der wirtschaftlichen Frauenbewegung in Südafrika gespielt, indem sie Initiativen wie die „Woman in Infrastructure Development and Energy“, „Bridging the Gap“ und „Women Private Equity Fund“ gegründet hat. Sie ist außerdem Gründungsmitglied der „Women Investment Portfolio Holdings“.

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