Steht Zenith vor einem Eigentümerwechsel?

Zenith Manufaktur Le Locle

Zenith Manufaktur Le Locle © Zenith

Innerhalb der internationalen Uhrenbranche verdichten sich seit Monaten die Anzeichen, dass Zenith vor einem möglichen Eigentümerwechsel stehen könnte. Auslöser sind anhaltende Marktgerüchte, wonach der Luxuskonzern LVMH einen Verkauf der Marke prüft. Zwar dementierte LVMH Anfang Januar 2026 offiziell entsprechende Pläne, doch übereinstimmende Branchenquellen berichten seit geraumer Zeit von zirkulierenden Verkaufsunterlagen und laufenden Sondierungen.



Der Aufhänger ist kein kurzfristiger Impuls. In der Industrie gilt Zenith seit Jahren als strukturelles Sorgenkind im LVMH Portfolio. Die Marke verfügt über einen großen Namen und eine bedeutende Historie, kämpft jedoch seit Langem mit rückläufigen Umsätzen, mangelnder Profitabilität und schwindender Relevanz im Markt.

Verkaufsgerüchte mit Substanz

Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichten, dass ein formelles Verkaufsdossier bereits seit geraumer Zeit existiert und unter Investmentbanken kursiert. Auch eine Due Diligence Prüfung soll demnach bereits im Laufe des vergangenen Jahres angestoßen worden sein. Ob LVMH dabei exklusiv mit einem Interessenten spricht oder mehrere Optionen prüft, bleibt offen. In der Branche gilt jedoch die Einschätzung, dass ein möglicher Verkauf entweder zügig vollzogen würde oder gar nicht zustande kommt. Dass LVMH öffentlich widerspricht, überrascht Branchenkenner wenig. Der Konzern um Bernard Arnault äußert sich traditionell nicht zu strategischen Portfolioüberlegungen, solange keine Entscheidung gefallen ist. Gleichzeitig halten sich die Gerüchte hartnäckig. Beobachter sprechen davon, dass der Markt bereits seit mindestens zwei Jahren getestet werde.

LVMH Vorsitzender und CEO Bernard Arnault und Zenith CEO Benoît de Clerck könnten sich bald trennen. © LVMH/ Bangkok Post

Dauerverluste als Belastung

Analysten zeichnen ein ernüchterndes Bild. Zenith soll seit rund 25 Jahren nahezu durchgehend Verluste in einer Größenordnung von 20 bis 30 Millionen Franken pro Jahr schreiben, mit nur wenigen Jahren operativer Annäherung an die Gewinnschwelle. Offizielle Umsatzzahlen veröffentlicht LVMH nicht. Dennoch bestätigen Marktbeobachter, dass die Absatzentwicklung spätestens seit 2023 klar rückläufig ist. Für einen Konzern wie LVMH, der sein Portfolio konsequent auf Skalierbarkeit und Wertsteigerung ausrichtet, ist dies ein strukturelles Problem. In einer Phase globaler Luxusabkühlung erscheint es plausibel, dass selbst historisch bedeutsame Marken auf ihre wirtschaftliche Rechtfertigung überprüft werden.

Führung unter Vorbehalt

Unabhängig von einem möglichen Verkauf gilt der Verbleib des aktuellen Zenith CEO Benoît de Clerck als fraglich. Branchenquellen gehen davon aus, dass sein Abgang angesichts der Geschäftsentwicklung kaum vermeidbar ist, selbst wenn Zenith im Konzern verbleiben sollte. Eine offizielle Stellungnahme von Zenith blieb bislang aus.

Parallelen zu TAG Heuer und Hublot

Zenith ist kein Einzelfall. Auch andere reine Uhrenmarken im LVMH Portfolio stehen unter Druck. Besonders deutlich zeigt sich dies bei TAG Heuer. Dort gilt der Abgang von CEO Antoine Pin nach kaum mehr als einem Jahr als beschlossene Sache, auch wenn eine offizielle Bestätigung noch aussteht. Branchenkenner sprechen von jährlichen Verlusten in Höhe von 40 bis 50 Millionen Franken, was rund zehn Prozent des Umsatzes entspräche. Der Uhrenjournalist Grégory Pons verweist zudem auf massive Absatzrückgänge auf wichtigen Exportmärkten. In Großbritannien, dem zweitgrößten Absatzmarkt vieler Schweizer Marken, seien die Verkäufe von LVMH Uhrenmarken 2024 um mehr als ein Drittel eingebrochen, mit weiterer Verschärfung im Jahr 2025. Auch Hublot wird regelmäßig in einem Atemzug mit Zenith und TAG Heuer genannt, wenn es um strukturelle Schwächen innerhalb der reinen Uhrenmarken des Konzerns geht.

Die aktuelle Situation zeigt, wie schwer es selbst traditionsreiche Marken haben, wenn wirtschaftliche Relevanz und strategische Einbindung fehlen. © TAG Heuer/ Hublot

Strategische Altlast Smartwatch

Ein weiterer Diskussionspunkt betrifft die strategische Ausrichtung der vergangenen Jahre. Mehrere Experten sehen die massiven Investitionen in Smartwatches als Belastung. Insbesondere Frédéric Arnault, Sohn von Bernard Arnault und ehemaliger CEO von TAG Heuer, steht hier in der Kritik. Ihm wird zugeschrieben, trotz begrenzter Markterfolge an der Smartwatch Strategie festgehalten zu haben. Seit 2015 sollen dafür Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich geflossen sein. LVMH widerspricht dieser Darstellung, nennt jedoch keine belastbaren Zahlen.

Verliert LVMH die Lust an reinen Uhrenmarken

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine weitergehende These an Gewicht. Mehrere Branchenbeobachter halten es für möglich, dass LVMH mittelfristig seine reinen Uhrenmarken reduziert oder ganz abstößt. Der Fokus könnte künftig stärker auf Marken liegen, bei denen Uhren als ergänzendes Accessoire fungieren, etwa bei Bulgari, Chaumet oder Tiffany & Co.. (Quellen: Handelszeitung, RTN, La Cote)

Zenith Eigentümerwechsel LVMH DJ
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