Ein neuer Ermittlungsstrang bringt den alten Aktienkonflikt zwischen Hermès und LVMH zurück in den Fokus. © LVMH
Der jahrelange Streit um den Einstieg von LVMH bei Hermès bekommt eine neue juristische Dimension. Wie Reuters berichtet, hat die Pariser Staatsanwaltschaft ein formelles Ermittlungsverfahren gegen den Schweizer Anwalt Alexandre Montavon eingeleitet. Er steht demnach im Verdacht, an der mutmaßlichen Veruntreuung von Hermès Aktien des Erben Nicolas Puech zugunsten von LVMH beteiligt gewesen zu sein. Montavon soll laut Staatsanwaltschaft unter anderem über seine Rolle als Anwalt und Verwalter der Offshore Gesellschaft Dilico in den Vorgang eingebunden gewesen sein.
Der Ursprung liegt mehr als zehn Jahre zurück
Der Fall führt zurück zum Jahr 2010. Damals machte LVMH öffentlich, eine Beteiligung an Hermès aufgebaut zu haben. Reuters berichtete später, dass der Konzern zunächst 17 Prozent an Hermès hielt und dabei Finanzinstrumente nutzte, statt die Aktien direkt zu erwerben. Dadurch wurde der Einstieg erst spät sichtbar. Für Hermès war dies der Beginn einer jahrelangen Auseinandersetzung mit dem weltgrößten Luxuskonzern.
Die französische Finanzaufsicht AMF verhängte 2013 eine Strafe von 8 Millionen Euro gegen LVMH, weil der Aufbau der Beteiligung nicht ordnungsgemäß offengelegt worden sei. LVMH wies die Vorwürfe damals zurück und bezeichnete die Entscheidung als unbegründet. Die AMF Entscheidung bleibt dennoch ein zentraler Bezugspunkt, weil sie zeigt, welche Bedeutung Transparenz bei Beteiligungen im Luxussegment hat.

Puech sieht sich um Milliardenwerte gebracht
Im Zentrum der neuen Verfahren steht Nicolas Puech, ein Erbe der Hermès Familie. Laut Reuters wirft Puech seinem früheren Vermögensverwalter Eric Freymond sowie möglichen Beteiligten vor, ihn um Hermès Aktien gebracht zu haben. Der heutige Wert der umstrittenen Aktien wird je nach Quelle auf mehr als 10 Milliarden Euro beziehungsweise rund 14 Milliarden Euro beziffert. Le Monde berichtete von mehr als sechs Millionen Hermès Aktien mit einem Wert von über 14 Milliarden Euro.
Freymond, der Puechs Vermögen über viele Jahre verwaltet hatte, starb im Juli 2025 während laufender Ermittlungen. Schweizer Behörden prüften laut Reuters einen möglichen Suizid. LVMH hat jede Verwicklung zurückgewiesen. Der Konzern erklärte im Dezember 2025, er habe keine Hermès Aktien von Nicolas Puech veruntreut. Auch Bernard Arnault, LVMH-CEO bestreitet eine unrechtmäßige Beteiligung.
Ermittlungen werden breiter
Die Financial Times berichtete ergänzend, dass französische Ermittler inzwischen mehrere Schweizer Juristen ins Visier genommen haben. Neben Alexandre Montavon sollen auch weitere Anwälte formell untersucht werden. Wichtig bleibt dabei: Eine formelle Untersuchung in Frankreich ist kein Schuldspruch, sondern bedeutet, dass Ermittler schwerwiegende Verdachtsmomente sehen. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.
Der Fall ist noch nicht abgeschlossen und zeigt, wie stark der Luxusmarkt von Kontrolle, Kapitalstruktur, Markenhoheit und langfristiger Eigentümerstrategie geprägt ist. Hermès verteidigte seine Unabhängigkeit damals mit großer Konsequenz. 2014 endete der Konflikt durch eine Vereinbarung, nach der LVMH seine Hermès Beteiligung an Aktionäre weitergab. Reuters berichtete, dass damit der Streit um den 23,2 Prozent Anteil beendet wurde.
Für den Handel ist diese Einordnung wichtig, weil große Luxusmarken heute nicht nur über Produkte, sondern über Vertriebskontrolle, Kapitalmacht und Markenexklusivität gesteuert werden. Wenn Eigentumsfragen bei Hermès und LVMH über Jahre Gerichte, Aufsichtsbehörden und Investoren beschäftigen, macht das die wirtschaftliche Bedeutung von Markenwert im Luxussegment noch deutlicher.













Keine Kommentare