Warum Swatch gut und gerne auf OpenAI verzichten kann (Teil 2)

Hayek sieht in Systemen wie ChatGPT keine echte kreative Intelligenz, sondern lediglich ein „statistisches System“. © Swatch Group, DJ/ KI generiert

Im OMR-Podcast trafen zwei Welten aufeinander: die Tech-Euphorie des Silicon Valley und das traditionsbewusste Schweizer Unternehmertum. Im Gespräch zwischen OMR-Gründer Philipp Westermeyer und Nick Hayek, dem Präsidenten und CEO der Swatch Group, wurde deutlich, warum eine „OpenAI-Uhr“ für den Uhrenkonzern keine Option ist.



Die entscheidende Frage: Was wäre, wenn Sam Altman anruft?

Westermeyer griff ein aktuelles Szenario aus der Tech-Welt auf: OpenAI-Chef Sam Altman und Ex-Apple-Designer Jony Ive arbeiten offenbar an neuer KI-Hardware. Was also, wenn Altman bei Hayek anklopfen und eine „OpenAI x Swatch“-Uhr vorschlagen würde?

Für Swatch-CEO Nick Hayek ist die Antwort eindeutig: Eine echte Uhr ist kein austauschbares, digitales Gerät! © Swatch Group

Die Antwort: ein klares Nein

Hayeks Reaktion fiel eindeutig aus: „Nein, ach quatsch, nein!“ Eine Zusammenarbeit mag aus Tech-Sicht attraktiv erscheinen – mit Reichweite, Innovationskraft und Aufmerksamkeit. Für Hayek jedoch bleibt eine Uhr eine Uhr. Eine KI-Komponente würde daran aus seiner Sicht nichts Grundlegendes ändern.

„Was bringt mir dieser Software-Heini?“

Hayek machte deutlich, warum er OpenAI keinen Mehrwert für Swatch zuschreibt. Vertreter großer Tech-Unternehmen bezeichnete er provokant als „Software-Heinis“, die vor allem Kosten verursachen, ohne greifbaren Nutzen für eine physische Marke zu liefern.

Für ihn ist Swatch selbst die Marke – unabhängig von externer KI. Seine Haltung basiert auf einem grundsätzlichen Verständnis von Produkt, Kreativität und Markenführung.

Warum Hayek KI kritisch sieht

Hayek betrachtet Systeme wie ChatGPT nicht als echte kreative Intelligenz, sondern als statistische Modelle, die auf Vergangenem basieren. Innovation entstehe so nicht automatisch.

Zudem kritisiert er die Intransparenz solcher Systeme. KI sei eine Blackbox – Herkunft und Zusammensetzung der Daten blieben oft unklar. Eine solche „Pandorabox“ lehnt er für Swatch ab.

Auch beim Thema Urheberrecht zieht er klare Grenzen. Die Swatch Group setzt auf Eigenständigkeit und eine geschlossene Wertschöpfung. „Wir klauen keinen Content, wir klauen nicht das Copyright der anderen“, betont Hayek. Stattdessen nutzt das Unternehmen interne Lösungen wie „AiDada“, die ausschließlich auf dem eigenen, über 40 Jahre gewachsenen Design-Archiv basieren.

Eine Uhr ist ein Lebensgefühl, kein Computer

Im Kern geht es Hayek um die emotionale und physische Dimension der Uhr. Swatch steht für Design, Haptik, Swiss Made und ein Lebensgefühl – nicht für austauschbare Technologie.

Seine Absage an eine OpenAI-Uhr ist damit auch ein Statement zur Zukunft der Branche. Während viele Unternehmen auf KI setzen, verteidigt Hayek die Eigenständigkeit des Produkts.

Für den Fachhandel ist diese Haltung relevant: Uhren sollten nicht nur technisch erklärt, sondern als emotionale, physische und markenstarke Produkte vermittelt werden. Gerade in einer digitalen Welt kann genau das zum entscheidenden Verkaufsargument werden.

Im nächsten Teil geht es darum, warum Swatch mit dem Konzept „Second Wrist“ das zweite Handgelenk erobern will – und welche Chancen sich daraus für den Fachhandel ergeben.

Was ist eure Meinung?

Was meint ihr: Hat KI überhaupt eine Zukunft am Handgelenk?

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