Pinterest entwickelt sich von einer Inspirationsplattform zu einem KI gesteuerten Verkaufskanal mit wachsender Relevanz für den Handel. © Freepik
Pinterest entwickelt sich rasant von einer Inspirationsplattform zu einem KI gesteuerten Verkaufskanal, vorallem bei jungen Frauen. Das eröffnet dem Schmuck- und Uhrenhandel neue Zugänge zu einer kaufbereiten, überwiegend weiblichen Zielgruppe, lange bevor konkrete Kaufentscheidungen fallen.
Pinterest unterscheidet sich grundlegend von klassischen sozialen Netzwerken. Während Plattformen wie Instagram oder Facebook auf Kommunikation setzen, dient Pinterest der visuellen Planung. Nutzer erstellen sogenannte Vision Boards für Wohnen, Mode, Karriere oder private Lebensereignisse. Rund 70 Prozent der Nutzer in Deutschland sind weiblich. Gerade junge Frauen nutzen Pinterest, um sich ein Wunschbild ihres zukünftigen Lebens zusammenzustellen. Für den Handel bedeutet das Präsenz in einer sehr frühen Phase der Kaufentscheidung.
Wachstum trotz Stellenabbau
Pinterest wächst weiter und steigert seine Umsätze deutlich. Im dritten Quartal 2025 legte der Umsatz um 17 Prozent auf rund 1,05 Milliarden US Dollar zu. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, knapp 15 Prozent der Belegschaft abzubauen. Bei etwa 5.200 Mitarbeitern betrifft das mehr als 700 Stellen. Offiziell begründet Pinterest diesen Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung hin zu stärker KI fokussierten Rollen. Ob dies reine Effizienzsteigerung oder klassischer Kostenabbau ist, bleibt offen. Unabhängig davon zeigt der Schritt, wie konsequent die Plattform auf Technologie setzt.

KI als Herzstück der Plattform
Künstliche Intelligenz ist bei Pinterest inzwischen allgegenwärtig. Sie steuert die Suche, optimiert Werbekampagnen und erstellt personalisierte Empfehlungen. Anzeigen werden automatisiert ausgespielt und erzielen laut Unternehmensangaben rund 24 Prozent höhere Verkaufsraten als klassische Werbung. Die KI analysiert, welche Bilder Nutzer ansehen, speichern oder teilen und leitet daraus individuelle Vorschläge ab, oft noch bevor aktiv gesucht wird. Das Ergebnis sind rund 80 Milliarden Suchanfragen pro Monat, ein Plus von 44 Prozent im Jahresvergleich.
Vom Träumen zum Kaufen
In den USA und Kanada geht Pinterest bereits einen Schritt weiter. Ein integrierter Chatbot empfiehlt konkrete Produkte. Nutzer können ihr Amazon Konto verknüpfen und gelangen direkt zur Kaufseite. Pinterest wandelt sich damit von einer Plattform des Träumens zu einer Plattform des Kaufens. CEO Bill Ready spricht von einem KI gesteuerten Shopping Assistenten.
Für den Schmuckhandel ist diese Entwicklung besonders relevant. Pinterest wird häufig genutzt, um Verlobungsringe, Trauringe, Schmuckstile oder Geschenkideen visuell zu vergleichen und emotional aufzuladen. Die Plattform setzt früher an als Suchmaschinen oder klassische Social Media Kanäle. Wer dort sichtbar ist, erreicht Kunden in der Phase der Wunschbildung, nicht erst beim Preisvergleich. Pinterest zeigt exemplarisch, wie KI Kaufimpulse beschleunigt und Inspiration direkt in Umsatz übersetzen kann.













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