Stellenabbau bei Breitling: Sparkurs oder Neuordnung?

Breitling Stellenabbau Georges Kern

Der starke Franken, US Zölle und eine vorsichtigere Luxusnachfrage belasten exportorientierte Uhrenmarken wie © Breitling

Die Schweizer Uhrenindustrie bleibt unter Druck. Nach mehreren Jahren starker Nachfrage und hoher Investitionen zeigt sich nun, dass auch etablierte Luxusmarken ihre Kostenstrukturen anpassen müssen. Besonders sichtbar wird das derzeit bei Breitling. Laut Bloomberg hat die Marke weltweit mehr als 50 Stellen abgebaut, betroffen sein sollen unter anderem Funktionen in Marketing, Personalwesen und Nachhaltigkeit. Breitling selbst hat noch nicht kommentiert.



Umsatzrückgang trotz starker Marke

Für das Geschäftsjahr bis Ende März 2026 wird von Breitling ein Nettoumsatz von 769 Millionen Schweizer Franken genannt. Das entspricht laut Bloomberg einem Rückgang von 11 Prozent. Das bereinigte EBITDA soll um 21 Prozent auf 162 Millionen Franken gefallen sein. Da Breitling als Privatunternehmen keine vollständigen globalen Zahlen veröffentlichen muss, beruhen diese Angaben auf informierten Kreisen und dem Finanzdatenanbieter Octus.

Wirtschaftlich ist der Fall bemerkenswert, weil Breitling unter CEO Georges Kern in den vergangenen Jahren stark expandiert hat. Die Marke wurde international breiter positioniert, die Boutique Präsenz ausgebaut, das Marketing intensiviert und mit Universal Genève sowie Gallet ein neues Markenportfolio aufgebaut. Damit entsteht nun ein Spannungsfeld: Kosten werden gesenkt, gleichzeitig wird die Erweiterung des House of Brands fortgeführt. (Quelle: Swissinfo.ch)

Der starke Franken wird zum Margenthema

Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist der Schweizer Franken. Für exportorientierte Hersteller verteuert eine starke Heimatwährung die Produkte in wichtigen Absatzmärkten und drückt auf die Marge. Laut Federation of the Swiss Watch Industry war 2025 insgesamt ein schwieriges Jahr: Die Schweizer Uhrenexporte gingen wertmäßig um 1,7 Prozent auf 25,6 Milliarden Franken zurück. Gleichzeitig erreichten Franken und Goldpreis hohe Niveaus, was Schweizer Uhren im Ausland zusätzlich verteuerte. Der US Markt bleibt für die Branche zentral. Die USA standen 2025 für 17 Prozent der Schweizer Uhrenexporte und waren damit der wichtigste Einzelmarkt. Zugleich wurde der Handel durch die US Zollpolitik spürbar gestört. Für Marken mit hoher Abhängigkeit vom amerikanischen Geschäft entsteht damit ein doppelter Druck aus Währung und Zollkosten. (Quelle: fhs.swiss)

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Trotz Sparkurs baut Breitling mit Universal Genève und Gallet weiter an einer breiteren Markenstruktur. © Breitling

Breitling relativiert den Eindruck

Wichtig ist die Einordnung: Das Grenchner Tagblatt berichtete nach einer Stellungnahme des Unternehmens, Breitling sehe die Personalveränderungen im Rahmen üblicher Schwankungen. Zudem werde auf Gruppenebene argumentiert, dass mit Universal Genève und Gallet Kapazitäten verschoben würden. Für das kommende Jahr sei laut Bericht sogar eine deutliche Erhöhung der Produktion geplant.

Damit ergibt sich kein Bild einer Marke im Rückzug, sondern eher einer Neuordnung. Breitling scheint Kosten zu überprüfen, Funktionen zu bündeln und die Gruppe auf ein schwierigeres Marktumfeld einzustellen. Diese Differenzierung könnte entscheidend sein: Stellenabbau bedeutet nicht automatisch Markenschwäche. Er kann auch Ausdruck einer Phase sein, in der Wachstum profitabler, kontrollierter und risikoärmer organisiert werden soll. (Quelle: Grenchner Tageblatt)

Die wirtschaftliche Botschaft lautet damit wohl: Nicht jede starke Marke ist immun gegen makroökonomischen Druck. Aber starke Marken haben bessere Chancen, diesen Druck über Produktprofil, Markenführung und klare Sortimentspolitik abzufedern. Für den stationären Fachhandel wird damit die Auswahl der richtigen Partner noch wichtiger.

Breitling Stellenabbau DJ
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