Abschied von Hellmut Wempe

HELLMUT WEMPE_Nachruf

Nachruf auf Hellmut Wempe. © Wempe

Der hanseatische Entrepreneur und visionäre Vorreiter des deutschen und internationalen Uhren- und Schmuckhandels ist am 29. Januar 2023 im 90sten Lebensjahr friedlich eingeschlafen.



„HÖRT AUCH AUF EUER BAUCHGEFÜHL

Hellmut Wempe zeichnete sich nicht nur durch seinen außerordentlichen, beruflichen Erfolg aus, sondern auch durch seine einzigartige Persönlichkeit. „Er ist jeder Person mit großem Respekt und Offenheit begegnet, ganz gleich, um wen es sich handelte. Diese Vorbildwirkung spiegelt sich auch in der Unternehmenskultur wider“, so Philipp Pelz, Geschäftsführer Wempe Wien.

Ein couragierter Lebensweg

Ursprünglich wollte der charismatische Unternehmer aber Politikjournalist werden. Da sein älterer Bruder nicht aus dem Krieg zurückkehrte, trat er schon im Alter von 18 Jahren nach seiner Ausbildung an der „École Supérieur de Commerce“ in Neuchâtel, Schweiz, in die Firma ein und wurde 1955 gleichberechtigter und persönlich haftender Gesellschafter. 1961 heiratete er Christa Eva Noack, am 25. September 1962 wurde Tochter Kim-Eva geboren, die heute in vierter Generation das Unternehmen leitet. Hellmut Wempe war ein Visionär,“ erklärt Philipp Pelz, der ihn seit seiner Jugend kannte. „Er hat sich überall die Möglichkeiten gesucht, erkannt und sich nicht von den Unmöglichkeiten entmutigen lassen.“

Die Firma war sein Leben

Das erste Geschäft außerhalb Hamburgs wurde 1966 in Lübeck eröffnet. In den nächsten Jahrzehnten folgten etliche weitere Niederlassungen beispielsweise in Bremen, Frankfurt, Köln, München oder Berlin. 1980 verwirklichte der Vollblutunternehmer seinen lang gehegten Traum und eröffnete in New York an der Fifth-Avenue ein Geschäft. Weitere internationale Standorte entstanden in Paris oder Madrid.


Am Puls der Zeit

1997 baute Wempe den Uhrenservice weiter aus und vergrößert die Werkstatt im Hamburger Stammhaus. 2005 kaufte und renovierte Wempe die Sternwarte Urania im sächsischen Glashütte und errichtete dort die erste Chronometer-Prüfstelle für Uhren nach deutscher DIN-Norm. Seit 2006 wird hier auch die eigene Uhrenmarke mit den beiden Linien „Wempe Chronometerwerke Glashütte I/SA“ und „Wempe Zeitmeister Glashütte I/SA“ gefertigt. Heute sind die beiden Servicewerkstätten die größten eines europäischen Einzelhändlers.

Der Grandseigneur der deutschen Juwelier Szene

In Berlin wurde Hellmut Wempe 2006 der „Lifetime Award“ des Handelsverbands Deutschland (HDE) verliehen. 2015 erhielt er die Auszeichnung für sein Lebenswerk vom „Hamburger Gründerpreis der Hamburger Sparkasse“. Zum 125-jährigen Firmenjubiläum übertrug Hellmut Wempe im Alter von 71 Jahren das operative Geschäft an sein einziges Kind Kim-Eva Wempe, blieb jedoch weiter Mitgesellschafter. Anfang 2022, übertrug er eine weitere bedeutende Tranche seiner Unternehmensanteile auf seine Tochter, die geschäftsführende Gesellschafterin der Gerhard D. Wempe GmbH & Co. KG, und erstmalig einen Teil auf seine Enkel Scott Hellmut (26) und Chiara Marie (24) Wempe.

Jedoch wäre er nicht Hellmut Wempe gewesen, wenn er der fünften Generation keinen Ratschlag mitgegeben hätte: „Denkt nicht immer nur mit dem Kopf und habt nicht nur die Zahlen im Blick. Hört auch auf euer Bauchgefühl.“ 

Das Unternehmen überschrieb die Meldung von Hellmut Wempes Tod mit einem Zitat von  Rabindranath Tagore, das eine treffende Beschreibung seines inspirierenden Lebens sein könnte:

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude.
Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht.
Ich machte die Pflicht zu meinem Leben.
Und siehe, das Leben wurde zur Freude.

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