Roland Baldauf: „Edelstahl ist heute eine wichtige Antwort auf steigende Preise!”

Humphrey Baldauf Erlebnis Juwelier

Roland Baldauf, Gründer © Humphrey

Im Fachhandel gewinnt Edelstahl zunehmend an Bedeutung – nicht zuletzt als Antwort auf steigende Edelmetallpreise und veränderte Kaufgewohnheiten. Roland Baldauf, Gründer von Humphrey, erklärt im Interview, welche Rolle das Material heute im Sortiment spielt, wie sich Juweliere strategisch aufstellen können und warum Design, Verarbeitung und klare Positionierung entscheidend sind. Zudem gibt er Einblicke in aktuelle Entwicklungen und zeigt, wie sich Edelstahl erfolgreich im Verkauf einsetzen lässt.



Edelstahl hat sich im Schmucksegment vom Randthema zu einer ernstzunehmenden Alternative entwickelt. Steigende Edelmetallpreise und veränderte Kaufgewohnheiten rücken das Material zunehmend in den Fokus des Fachhandels. Roland Baldauf, Gründer von Humphrey, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Edelstahl und hat die Positionierung konsequent weiterentwickelt. Im Gespräch erklärt er, welche Rolle Edelstahl heute im Sortiment spielt, warum Design und Verarbeitung entscheidend sind, wie sich das Material strategisch im Fachhandel einsetzen lässt und welche Chancen sich daraus für Juweliere ergeben. Zudem gibt er Einblicke in aktuelle Entwicklungen und konkrete Erfahrungen aus der Praxis.

DERJUWELIER.at: Edelstahl wird zunehmend als Antwort auf steigende Edelmetallpreise diskutiert. Welche Rolle spielt das Material aktuell im Fachhandel?

ROLAND BALDAUF: Edelstahl ist heute eine sehr wichtige Antwort auf die steigenden Preise bei Gold und Silber. Viele Konsumenten haben ein klares Budget im Kopf und möchten trotzdem ein wertiges Schmuckstück kaufen. Genau hier bietet Edelstahl eine überzeugende Alternative. Im Gegensatz zu Silber hat Edelstahl zudem den Vorteil, dass er nicht anläuft und damit im Alltag deutlich unkomplizierter ist. Für den Fachhandel bedeutet das, dass er seinen Kunden weiterhin attraktive Produkte in relevanten Preislagen anbieten kann, ohne bei Qualität oder Design Abstriche machen zu müssen.

DJ: Viele Kunden haben heute ein klares Budget im Kopf. Welche Bedeutung haben Preislagen für die Kaufentscheidung?

RB: Preislagen sind heute ein zentraler Faktor bei der Kaufentscheidung. Viele Kunden kommen mit einer klaren Vorstellung ins Geschäft und sagen ganz konkret, dass sie für ein Geschenk etwa 500 oder 700 Euro ausgeben möchten. Gerade in diesen Bereichen wird es mit Gold zunehmend schwierig. Edelstahl bietet hier die Möglichkeit, innerhalb eines definierten Budgets ein hochwertiges und zugleich designorientiertes Schmuckstück anzubieten.

DJ: Welche Entwicklung beobachten Sie aktuell im Sortimentsverhalten der Juweliere?

RB: Viele Juweliere konzentrieren sich heute stärker auf weniger Marken und strukturieren ihr Sortiment klarer. Gleichzeitig gewinnt das Thema Eigenmarke an Bedeutung. Marken müssen eine klare Rolle im Sortiment erfüllen. Humphrey kann hier als eigenständiges Segment für hochwertigen Edelstahlschmuck geführt werden und ergänzt klassische Edelmetallmarken sinnvoll.

DJ: Welche Rolle spielt dabei das Thema Eigenmarke im Vergleich zu etablierten Marken?

RB: Viele Juweliere leben das Thema Eigenmarke heute deutlich stärker als noch vor einigen Jahren. Sie möchten unabhängiger werden und ihr Profil schärfen. Gleichzeitig haben etablierte Marken weiterhin ihre Berechtigung, wenn sie klar positioniert sind. Entscheidend ist, dass sie sich sinnvoll ins Sortiment einfügen und eine eigene Rolle übernehmen. Gerade im Zusammenspiel aus Eigenmarke und ausgewählten Marken entsteht ein stimmiges Gesamtbild für den Kunden.

DJ: Wie gehen Sie mit der zunehmenden Preistransparenz im Internet um?

RB: Kunden können Produkte heute sehr schnell vergleichen und erwarten entsprechende Preise auch im stationären Handel. Für uns ist deshalb entscheidend, online und im Fachhandel zu den gleichen Konditionen anzubieten. So entsteht keine Konkurrenzsituation, sondern Vertrauen – sowohl beim Juwelier als auch beim Endkunden.

DJ: Was macht Humphrey für den Fachhandel zu einer stabilen und verlässlichen Marke?

RB: Humphrey steht für Kontinuität und Verlässlichkeit. Die Marke ist seit den 1990er Jahren am Markt und viele Partner arbeiten seit Jahren mit uns zusammen. Ein wichtiger Punkt ist auch der Service. Wir kümmern uns langfristig um unsere Produkte und bieten Lösungen, wenn es um Reparaturen oder Anpassungen geht. Das schafft Vertrauen – beim Juwelier und beim Endkunden.

Edelstahl Schmuck Leistbarer Luxus
© BPJ/ KI generiert

DJ: Welche Rolle spielen Service und Reparaturfähigkeit für die Kundenbindung?

RB: Service und Reparaturfähigkeit sind ein zentraler Faktor für die Kundenbindung. Auch wenn sich Serviceleistungen nicht immer unmittelbar rechnen, schaffen sie Vertrauen und sorgen dafür, dass Kunden wiederkommen. Für den Juwelier ist es ein großer Vorteil, wenn er dem Kunden eine Lösung anbieten kann und nicht sagen muss, dass eine Reparatur nicht möglich ist. Genau das stärkt die Beziehung zum Kunden langfristig und nachhaltig.

DJ: Welche Rolle spielt Storytelling beim Verkauf von Edelstahlschmuck?

RB: Auch bei Edelstahlschmuck spielt Storytelling eine wichtige Rolle. Es reicht nicht aus, nur das Material zu zeigen – entscheidend ist, welche Geschichte dahintersteht. Gerade bei designorientiertem Schmuck braucht es eine Erklärung und eine emotionale Einordnung. Wenn der Juwelier diese Geschichte vermittelt, wird das Produkt für den Kunden greifbarer und gewinnt deutlich an Wert.

DJ: Edelstahl gilt als anspruchsvoll in der Verarbeitung. Warum ist das so entscheidend für die Qualität?

RB: Edelstahl ist in der Verarbeitung deutlich anspruchsvoller, als viele denken. Gerade bei Details wie dem Fassen von Steinen zeigt sich schnell, ob die Qualität stimmt. Entscheidend ist, wie viel Know-how und Präzision in der Fertigung steckt. Nur so entsteht am Ende ein Schmuckstück, das sowohl optisch als auch qualitativ überzeugt.

DJ: Warum ist Edelstahl kein reines Materialthema, sondern eine Designfrage?

RB: Edelstahl wird oft auf das Material reduziert, dabei geht es eigentlich um das, was man daraus macht. Entscheidend ist das Design und wie das Material eingesetzt wird. Gerade im gehobenen Bereich kaufen Kunden kein Material, sondern ein Schmuckstück mit Gestaltung und Aussage. Deshalb spielt Design eine zentrale Rolle in der Wahrnehmung und im Verkauf.

DJ: Warum tun sich manche Juweliere noch schwer mit Edelstahl?

RB: Manche Juweliere stehen sich dabei ein Stück weit selbst im Weg, weil sie stark in klassischen Denkmustern verhaftet sind. Edelstahl wird oft noch nicht als gleichwertige Alternative wahrgenommen. Dabei zeigt sich in der Praxis, dass das Material gerade in Kombination mit Design und klarer Positionierung sehr gut funktioniert. Wer offen dafür ist, kann damit neue Zielgruppen ansprechen und zusätzliche Umsätze generieren.

Es gibt im Prinzip nichts, was nicht repariert werden kann.

Roland Baldauf, Gründer, Humphrey

DJ: Sie kombinieren Edelstahl mit Labordiamanten. Was war der Gedanke hinter diesem Schritt?

RB: Wir sind 2024 in das Thema eingestiegen, zu einem Zeitpunkt, als es noch deutlich kontroverser diskutiert wurde als heute. Unsere Einschätzung war, dass sich Labordiamanten am Markt etablieren werden – und das hat sich bestätigt. Uns war dabei wichtig, einen eigenständigen Weg zu gehen. Deshalb setzen wir bewusst auf größere Steine und kombinieren diese mit unserem Designanspruch.

DJ: Warum setzen Sie bewusst auf größere Steine und verzichten auf kleinere Preislagen?

RB: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade im Ein-Karat-Bereich eine sehr gute Nachfrage besteht. Deshalb konzentrieren wir uns bewusst auf diese Größen und bauen das Thema dort weiter aus. Uns geht es darum, ein klares Profil zu behalten und uns nicht zu breit aufzustellen. Eine Ausweitung in kleinere Preislagen ist aktuell nicht geplant, weil wir unsere Positionierung im Markt bewusst so beibehalten wollen.

DJ: Was sollten Juweliere beachten, wenn sie Edelstahlschmuck in ihr Sortiment aufnehmen?

RB: Wichtig ist vor allem ein Verständnis für Design. Wer offen für klare, reduzierte Gestaltung ist, wird auch mit Edelstahlschmuck gut arbeiten können. Entscheidend ist zudem die Auswahl des richtigen Partners. Qualität, Verarbeitung und eine verlässliche Zusammenarbeit spielen eine große Rolle. Dann kann Edelstahl eine sinnvolle und erfolgreiche Ergänzung im Sortiment sein.

Humphrey Edelstahl Schmuck
DESIGNFOKUS. Klare Formen und markante Details prägen Edel- stahlschmuck als eigen- ständiges Segment im Sortiment des Fachhandels. © Humphrey

Facts über Humphrey

Seit mehr als drei Jahrzehnten steht Humphrey für eigenständigen Edelstahlschmuck mit klarem Designanspruch. Die Marke verbindet handwerkliche Präzision mit moderner Gestaltung und hat sich im Fachhandel als verlässlicher Partner etabliert.


Edelstahl hat sich im Fachhandel als verlässliche Ergänzung zu klassischen Edelmetallen etabliert. Gerade in Zeiten steigender Goldpreise eröffnet das Material neue Möglichkeiten in relevanten Preislagen und spricht Kunden mit klar definiertem Budget an. Für Juweliere bedeutet das eine zusätzliche Option, um Sortiment und Zielgruppen gezielt zu erweitern. Entscheidend ist dabei eine klare Positionierung: Edelstahlschmuck funktioniert vor allem dann, wenn er als eigenständiges Segment mit Designanspruch geführt wird.

Neben dem Material rücken bei Humphrey vor allem Design, Verarbeitung und Service in den Fokus. Edelstahl wird bewusst nicht als reine Alternative, sondern als eigenständiges Schmucksegment verstanden. Klare Formen, markante Oberflächen und eine reduzierte Gestaltung prägen die Kollektionen und schaffen eine unverwechselbare Handschrift. Gleichzeitig spielt der Service eine zentrale Rolle: Reparaturfähigkeit und langfristige Betreuung stärken das Vertrauen von Fachhandel und Endkunden. In Kombination mit einer klaren Positionierung entsteht so ein Angebot, das sich nachhaltig im Sortiment etablieren kann.

Humphrey Roland Baldauf LeiLu DJ

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