Kering unter Luca de Meo: Schmuck wird zur Wachstumsachse

Luca de Meo Kering Strategie 2026

Luca de Meo treibt bei Kering mit dem Programm ReconKering den Umbau des Konzerns voran und rückt dabei profitable Kategorien wie Schmuck stärker in den Mittelpunkt. © Kering/ KI

Zu Kering gehören Marken wie Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga und McQueen. Für Juweliere besonders relevant sind daneben die Schmuckhäuser Boucheron, Pomellato, DoDo und Qeelin sowie die Schmuck und Uhrenaktivitäten von Gucci. Mit dem neuen Konzernplan ReconKering will CEO Luca de Meo die Attraktivität der Marken steigern, die operative Disziplin verschärfen und die Profitabilität erhöhen. Für den Uhren und Schmuckhandel ist vor allem eine Botschaft entscheidend: Kering macht den Schmuckbereich sichtbarer und wirtschaftlich wichtiger.



Der Druck bleibt hoch

Der Umbau kommt nicht aus einer Position der Stärke. Kering erzielte 2025 einen Umsatz von 14,675 Milliarden Euro, ein Minus von 13 Prozent. Das wiederkehrende operative Ergebnis lag bei 1,631 Milliarden Euro, die operative Marge bei 11,1 Prozent. Der wiederkehrende Nettogewinn betrug 532 Millionen Euro. Gucci, die wichtigste Marke des Konzerns, fiel 2025 auf 6 Milliarden Euro Umsatz, ein Rückgang um 22 Prozent. Die Nettoverschuldung lag Ende 2025 bei 8 Milliarden Euro, nach einem Rückgang um 2,5 Milliarden Euro gegenüber Ende 2024.

Luca de Meo, seit sieben Monaten CEO von Kering, formulierte dazu im Februar unmissverständlich: „The performance in 2025 does not reflect the Group’s true potential.“ Zugleich kündigte er einen klaren Fahrplan an, um die Begehrlichkeit der Häuser zu steigern, die Margen wieder aufzubauen und die Cashgenerierung zu stärken.

2026 zeigt erste Unterschiede im Portfolio

Im ersten Quartal 2026 setzte Kering 3,568 Milliarden Euro um. Das entsprach minus 6 Prozent, war aber auf vergleichbarer Basis stabil. Gucci blieb mit 1,347 Milliarden Euro Umsatz das Problemkind und verlor 14 Prozent berichtet beziehungsweise 8 Prozent auf vergleichbarer Basis. Nordamerika zeigte zwar ein Plus von 8 Prozent, doch das reichte nicht aus, um die Schwäche in Asien Pazifik und Westeuropa auszugleichen.

Gleichzeitig kamen die stärksten Impulse aus dem Schmuckbereich. Kering Jewelry erreichte im ersten Quartal 2026 mit 269 Millionen Euro ein Rekordniveau. Das Segment wuchs um 14 Prozent und um 22 Prozent auf vergleichbarer Basis. Im eigenen Retail stiegen die Umsätze um 28 Prozent, im Wholesale um 14 Prozent. Besonders stark entwickelte sich Boucheron, das laut Kering im Quartal das am schnellsten wachsende Haus des gesamten Konzerns war. Pomellato legte ebenfalls zu, getragen von Japan und erfolgreichen Kernkollektionen. DoDo setzte sein Wachstum fort, Qeelin profitierte vor allem von Asien.

Boucheron Kering
Boucheron war im ersten Quartal 2026 laut Kering das am stärksten wachsende Haus des gesamten Konzerns und unterstreicht damit die wachsende Bedeutung des Schmuckbereichs innerhalb der Gruppe. © Boucheron

Schmuck wird konzernintern aufgewertet

Diese Zahlen erklären, warum Kering den Schmuckbereich inzwischen organisatorisch stärker bündelt. Der Konzern hat mit Kering Jewelry eine eigene Einheit für Boucheron, Pomellato, DoDo und Qeelin geschaffen. Im offiziellen ReconKering Plan heißt es zudem, dass die gebündelte Schmuckaktivität nicht nur diese Häuser stärken, sondern auch zusätzliches Potenzial für die übrigen Marken des Konzerns erschließen soll. Das bedeutet: Schmuck wird bei Kering nicht mehr als Ergänzung gesehen, sondern als Wachstums und Stabilitätsfeld.

Luca de Meo beschreibt den neuen Kurs so: „ReconKering is designed to restore clarity, rebuild execution discipline and place the Group back on a long term leadership trajectory.“ Genau dazu passt der stärkere Fokus auf Kategorien, die Begehrlichkeit und Ertrag besser zusammenhalten als volatileres Modegeschäft.

Pomellato Kering
Pomellato legte im ersten Quartal 2026 innerhalb von Kering Jewelry zu und profitierte dabei laut Konzern vor allem von Japan sowie von einer starken Entwicklung seiner Kernkollektionen. © Pomellato

Was man aus dem neuen Kering Kurs lesen kann

Die entwicklung von Kering ist für unsere Branche in zweierlei Hinsicht relevant. Erstens bestätigt Kering, dass hochwertiger Schmuck in einem schwierigeren Luxusmarkt ein belastbares Geschäftsfeld bleibt. Zweitens zeigt der Konzern, dass er bei Uhren und Schmuck nicht auf Breite, sondern auf Wert, Produktqualität und klare Positionierung setzt. Eine eigene konzernweite Uhrenoffensive ist derzeit zwar nicht erkennbar. Sichtbar ist aber, dass Schmuck und angrenzende Kategorien innerhalb des Portfolios an Gewicht gewinnen, während Gucci und das klassische Modegeschäft weiter saniert werden.

Die eigentliche Nachricht lautet deshalb: Wenn ein Konzern wie Kering inmitten eines tiefen Gucci-Umbaus gezielt den Schmuckbereich ausbaut und mit starken Wachstumszahlen unterlegt, spricht das für die strukturelle Attraktivität dieser Kategorie. Schmuck ist bei Kering inzwischen nicht Beiwerk, sondern Teil der Lösung.

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