Wer führt Swatch aus der Überkapazität? Die Nachfolge von Nick Hayek im Branchencheck

Swatch Nick Hayek Nachfolger

Wenn der Patriarch geht: Swatch Group zwischen Familienlogik und Marktlogik. © Freepik/ KI generated

Erstmals deutet Nick Hayek selbst an, dass seine Zeit an der operativen Spitze der Swatch Group begrenzt ist. Damit rückt eine seit Jahren verdrängte Frage ins Zentrum der Branche: Wer führt den größten integrierten Uhrenkonzern der Schweiz in eine Phase schrumpfender Volumina, hoher Kosten und struktureller Überkapazitäten? Für Branchenprofis ist klar: Die Nachfolge ist untrennbar mit der überfälligen Neuausrichtung der Gruppe verbunden.



Ein Kommentar zur Unzeit oder bewusst gesetzt

Mit Aussagen in der „Schweiz am Wochenende“ und im „Bieler Tagblatt“ hat Swatch-Chef Nick Hayek erstmals offen über einen geregelten Übergang gesprochen. „Ich werde die Gruppe nicht noch zwanzig Jahre führen“, sagte der 71 Jährige und bestätigte, dass es einen internen Nachfolgeplan gebe. Zitiert wurden diese Aussagen unter anderem von Finanz und Wirtschaft und CH Media. Der Zeitpunkt ist sensibel. Die Swatch Group steht unter wachsendem Druck von Investoren. Der aktivistische US Investor Steven Wood fordert seit Längerem mehr Transparenz, eine stärkere Kapitalmarktorientierung und eine Reduktion des familiären Einflusses. Branchenbeobachter werten Hayeks Vorstoß auch als Versuch, die Diskussion zu kanalisieren, bevor sie von außen eskaliert.

Der Kronprinz aus der Familie

Als wahrscheinlichster Nachfolger gilt Marc Hayek. Der 54 Jährige ist Neffe von Nick Hayek, Sohn von Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek und seit 2024 Mitglied des Verwaltungsrats. Er verantwortet die Luxusmarken Blancpain, Breguet und Jaquet Droz. Nick Hayek selbst betont, man zwinge Marc Hayek zu nichts. Er arbeite erfolgreich und wachse in seine Rolle hinein. In Investorenkreisen stößt diese Perspektive dennoch auf Skepsis. Pierre Olivier Essig von AIR Capital wird in Finanz und Wirtschaft mit den Worten zitiert: Leistung müsse über Abstammung stehen. Gerade die vergleichsweise geringe Sichtbarkeit der Swatch Luxusmarken im Vergleich zu Rolex oder Patek Philippe wird Marc Hayek angelastet.

Marc Hayek Swatch Group Nachfolger Nick Hayek
Marc Hayek gilt als möglicher Nachfolger an der Spitze der Swatch Group und verantwortet derzeit die Luxusmarken Blancpain, Breguet und Jaquet Droz. © Freepik/ KI generated

Der operative Hoffnungsträger

Als interner Kompromisskandidat gilt Raynald Aeschlimann. Der langjährige Konzernmanager führt seit 2016 die Marke Omega und sitzt seit 2020 in der Konzernleitung. Omega steht für rund ein Drittel des Konzernumsatzes und nach Schätzungen von Analysten für deutlich mehr als die Hälfte des operativen Ergebnisses. Branchenanalyst Oliver Müller von LuxeConsult wird von Finanz und Wirtschaft zitiert: „Aeschlimann ist ein starker CEO der Marke Omega.“ Aufmerksamkeit erlangte er unter anderem mit der Moonswatch Kooperation, die Swatch neue Zielgruppen erschloss und gleichzeitig die Begehrlichkeit von Omega stärkte. Für viele Branchenkenner verkörpert er das operative Gegenmodell zur dynastischen Lösung.

Weitere interne Optionen

Auch Sylvain Dolla wird als möglicher Kandidat genannt. Der CEO von Tissot treibt technologische Themen wie Solartechnologie und Smartwatch Systeme voran. Ebenso wird Gregory Kissling bei Breguet ein guter Leistungsausweis attestiert. Dennoch gilt Aeschlimann als der Manager mit der größten Akzeptanz im Markt. Eine externe Lösung erscheint derzeit wenig wahrscheinlich. Zwar fordern Investoren frische Perspektiven, doch die Stimmrechtsstruktur sichert der Familie Hayek weiterhin die Kontrolle. Mit rund einem Viertel des Kapitals verfügt der Hayek Pool über etwa 44 Prozent der Stimmrechte.

Raynald Aeschlimann Omega Nachfolger Nick Hayek Swatch Group
Raynald Aeschlimann führt mit Omega die wichtigste Umsatz- und Ertragsmarke der Swatch Group und wird in Branchenkreisen als starker interner Kandidat für höhere Aufgaben gehandelt. © Freepik/ KI generated

Die eigentliche Herausforderung: Überproduktion

Unabhängig von der Personalfrage steht die Swatch Group vor einem strukturellen Problem. Oliver Müller bringt es auf den Punkt: „Die Swatch Group produziert zu viele Uhren in einem Markt, in dem künftig weniger Uhren verkauft werden.“ Zitiert wurde diese Einschätzung unter anderem in Finanz und Wirtschaft und auf LinkedIn. Der Markt für Swiss Made Uhren ist seit Jahren von steigenden Durchschnittspreisen, aber sinkenden Stückzahlen geprägt. Während der Exportwert steigt, hat sich das Volumen über zwei Jahrzehnte etwa halbiert. Die Swatch Group verfügt jedoch über industrielle Kapazitäten, die laut Branchenexperten ein Vielfaches der aktuellen Nachfrage abdecken könnten. Sechzehn Marken gelten vielen als zu viel für einen Konzern dieser Größe.

Wirtschaftliche Realität und Kapitalmarkt

Die Marktkapitalisierung der Swatch Group liegt aktuell bei rund 9 bis 10 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Allein Omega wird von Analysten auf 6 bis 7 Milliarden Franken geschätzt. 2013 war der Konzern noch rund 30 Milliarden Franken wert. Die Aktie gilt heute als Value Titel mit niedrigem Kurs Buchwert Verhältnis, wird von Analysten jedoch mehrheitlich mit „Halten“ oder „Verkaufen“ eingestuft. Soll die Dividendenfähigkeit langfristig erhalten bleiben, erwarten Marktbeobachter strukturelle Einschnitte. Dazu zählen eine Reduktion der Markenvielfalt, eine Anpassung der Produktionskapazitäten und klarere Prioritäten im Portfolio.

Sylvain Dolla Tissot Nachfolger Nick Hayek Swatch Group
Sylvain Dolla prägt als CEO von Tissot die technologische Ausrichtung der Marke und steht für Innovation im mittleren Preissegment der Swatch Group. © Freepik/ KI generated

Dynastie und Neuanfang

Die Nachfolge von Nick Hayek ist nicht nur eine Personalie. Sie entscheidet darüber, ob die Swatch Group den Übergang von einem volumengetriebenen Industrieverbund zu einem fokussierten, margenstarken Markenhaus schafft. Für Uhrenhersteller, Zulieferer und Fachhandel ist die Entwicklung ein Frühindikator. Sie zeigt, wie sich große integrierte Gruppen in einem Markt positionieren, der weniger verzeiht und stärker differenziert.

Quellen: Finanz und Wirtschaft, CH Media, Keystone, AIR Capital, LuxeConsult, LinkedIn Oliver R. Müller

Nick Hayek Swatch Nachfolge DJ
Teilen
Keine Kommentare

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar

Verwandte Themen

Ähnliche Themen

DER NEUE ZEITUNGSBEZUG

Jetzt auf erweiterten DerJuwelier.at Bezug PRINT UND DIGITAL umsteigen und noch mehr relevante Informationen aus der Branche sichern!

SIND SIE SCHON REGISTRIERT ?

Registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie von allen Inhalten in voller Länge, exklusiven News und Insights, die es NUR im geschützten Bereich für Branchen-TeilnehmerInnen gibt.