100 Jahre Automatikuhr: Wie Fortis die Armbanduhr veränderte

Dieses Prinzip prägt automatische Uhren bis heute und gehört zu den wichtigsten Argumenten im Verkauf mechanischer Zeitmesser. ©Fortis

Am 13. Juli 1926 verließen die ersten automatischen Armbanduhren von Fortis die Manufaktur. Was heute selbstverständlich wirkt, war damals eine Revolution: Eine Armbanduhr musste nicht mehr täglich von Hand aufgezogen werden, sondern gewann ihre Energie aus der Bewegung ihres Trägers.



Die Geschichte der Automatikuhr beginnt mit einer Schwachstelle. Mechanische Armbanduhren mussten Anfang des 20. Jahrhunderts regelmäßig per Krone aufgezogen werden. Jede Bedienung bedeutete zugleich ein Risiko: Staub, Feuchtigkeit und Schmutz konnten leichter ins Werk eindringen.

Der britische Uhrmacher John Harwood wollte genau dieses Problem lösen. Seine Idee: eine Armbanduhr, die sich durch die natürliche Bewegung am Handgelenk selbst aufzieht.

Vom Patent zur ersten Serienuhr

1924 ließ Harwood sein System in der Schweiz patentieren. Der Mechanismus arbeitete mit einem schwingenden Gewicht, das sich im Werk hin und her bewegte und die Zugfeder mit Energie versorgte. Anders als moderne Rotoren hatte dieses System noch einen begrenzten Bewegungsradius.

Entscheidend wurde danach die Zusammenarbeit mit Fortis. Während Harwood die Idee entwickelte, brachte Fortis unter Walter Vogt die technischen und industriellen Möglichkeiten mit, daraus eine verlässliche Armbanduhr für die Serie zu machen.

Am 13. Juli 1926 verließen schließlich die ersten automatischen Harwood-Armbanduhren die Fortis-Manufaktur. Damit war die Automatikuhr keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität am Handgelenk.

Eine Uhr ohne Krone

Besonders auffällig war das Design: Die Fortis Harwood Automatic kam ohne klassische Krone aus. Zu einer Zeit, in der die Krone als unverzichtbarer Bestandteil jeder Armbanduhr galt, war das ein radikaler Schritt.

Die Zeiteinstellung erfolgte über die drehbare Lünette. Das Werk selbst zog sich durch Bewegung auf. Damit entstand eine neue Art von Armbanduhr: konstruiert um Bewegung, nicht um tägliche manuelle Bedienung.

Ende der 1920er Jahre wurden rund 30.000 Harwood-Automatikuhren produziert. Die Idee setzte sich durch und wurde zur Grundlage einer der wichtigsten Entwicklungen der mechanischen Uhrmacherei.

Ein Prinzip, das geblieben ist

Auch wenn sich die Technik später weiterentwickelte und moderne Vollrotoren effizienter wurden, blieb der Grundgedanke bestehen: Eine mechanische Uhr kann ihre Energie aus Bewegung gewinnen.

Dieses Prinzip prägt automatische Uhren bis heute und gehört zu den wichtigsten Argumenten im Verkauf mechanischer Zeitmesser.

Was bedeutet das für den Fachhandel?

Für Juweliere und Uhrenfachhändler ist das Jubiläum mehr als historische Rückschau. Es liefert eine starke Geschichte für das Beratungsgespräch. Die Automatikuhr steht für Erfindungsgeist, Alltagstauglichkeit und mechanische Faszination.

Gerade in einer Zeit, in der viele Kunden Smartwatches gewohnt sind, hilft die Geschichte der Automatikuhr, den Unterschied mechanischer Uhrmacherei zu erklären. Eine Automatikuhr ist nicht nur ein Zeitmesser. Sie ist ein mechanisches System, das durch Bewegung lebt.

Fortis zeigt mit diesem Jubiläum, wie stark Herkunft und technische Meilensteine im Verkauf wirken können. Wer solche Geschichten erzählen kann, schafft Verständnis, Wertschätzung und Begehrlichkeit.

Was ist eure Meinung?

Nutzen Juweliere die Geschichte mechanischer Uhrmacherei im Verkaufsgespräch bereits stark genug? Oder wird bei Automatikuhren noch zu oft nur über Design und Preis gesprochen? Wie seht ihr das im Fachhandel?

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