
Mit 30 Jahren ist Anna Baumgartner eine der wenigen Uhrmachermeisterinnen Österreichs – und Vorbild für eine neue Generation. © Juwelier Baumgartner
In einer Welt, die immer schneller und digitaler wird, besinnt sich eine junge Unternehmerin auf das, was Bestand hat: echtes Handwerk. Anna Baumgartner, erst 30 Jahre alt, hat das traditionsreiche Juweliergeschäft Koller in Schörfling am Attersee übernommen und führt es nun als Juwelier Baumgartner fort. Mit dem Anspruch, der Uhrmacherei frische Impulse zu geben.
Berufung statt Kompromiss
Schon früh faszinierte sie nicht die digitale Technik, sondern die Mechanik, also das Zusammenspiel von Zahnrädern, Federn und winzigen Schrauben. Als sie ihre Berufswahl traf, entschied sie sich bewusst für etwas Besonderes: die Uhrmacherei. Drei Jahre Lehrzeit später war klar, dass dies mehr als ein Job ist, es ist ihre Leidenschaft. „Geduld ist das Wichtigste“, erklärt Anna Baumgartner. „Uhrmacherei braucht ruhige Hände, technisches Verständnis und Liebe zum Detail. Maschinen können diese Präzision bis heute nicht ersetzen.“
Uhrmacherei als Nischenberuf mit Zukunft
Während viele Berufe digitalisiert werden, bleibt die Arbeit am Uhrwerk Handarbeit. Ob Schmieren feinster Zahnräder oder das Justieren winziger Komponenten, hier zählt die Erfahrung des Meisters. Und die Nachfrage ist da: Wer eine hochwertige Uhr besitzt, weiß um ihren Wert und die Notwendigkeit regelmäßiger Wartung. Trotz des Fachkräftemangels blickt Anna Baumgartner optimistisch in die Zukunft. „Viele junge Leute wissen gar nicht mehr, dass es diesen Beruf gibt. Das macht unsere Arbeit besonders wertvoll und gefragter denn je.“
Mit ruhiger Hand und feinem Gespür: Anna Baumgartner bei der Arbeit am Uhrwerk. © Juwelier Baumgartner
Neues Geschäft, neue Ideen
In Schörfling führt sie nicht nur die Werkstatt weiter, sondern bringt auch neue Konzepte ein. Die Serviceabteilung für Kleinuhren wird erweitert, der Verkaufsraum modernisiert. Ein kleines Bar-Konzept soll Beratungsgespräche noch persönlicher machen, wie bei einem Kaffee, Whiskey oder Glas Rum. Auch im Sortiment geht sie eigene Wege: Neben Luxusmarken finden Kunden bei Juwelier Baumgartner Schmuck ab 20 Euro und Uhren ab 60 Euro. „Jeder Kunde verdient die gleiche Beratung und das unabhängig vom Preis“, betont sie.

Stetige Weiterbildung und Expertise
Anna Baumgartner investiert nicht nur ins Geschäft, sondern auch in ihr Wissen. Nach der Ausbildung zur Diamant-Expertin absolviert sie derzeit die Weiterbildung zur Edelstein-Expertin. Langfristig strebt sie sogar die Zertifizierung als gerichtlich beeidete Sachverständige an. Dass sie für ihre Arbeit brennt, merkt man sofort. Ob Union Glashütte oder Rado, ihre eigenen Uhren trägt sie mit Begeisterung. Besonders stolz ist ihr Vater: Er trägt heute jene Uhr, die seine Tochter zur Meisterprüfung serviciert hat. (Quelle: Tips.at)
Anna Baumgartner zeigt: Das Uhrmacherhandwerk ist nicht Vergangenheit! Es ist Zukunft, wenn es mit Leidenschaft und Innovationsgeist gelebt wird.

Keine Kommentare