Marken wie Pequignet, Yema, Hegid, Beaubleu, B.R.M Chronographes und 1977 stehen für unterschiedliche Wege französischer Uhrmacherei. © Francéclat
Frankreich baut seine Uhrenindustrie weiter aus. Getragen von Unternehmen, Institutionen und Branchenakteuren organisiert und modernisiert sich die französische Uhrmacherei neu. Fast 90 Marken, von jungen Start-ups bis zu etablierten Namen, bewegen sich gemeinsam in Richtung einer stärkeren „watchmaking à la française“. Im Mittelpunkt stehen neue Projekte, die ihre Produktionsbasis dauerhaft in Frankreich verankern.
Von Paris über Besançon bis zu den Grenzregionen des Schweizer Jura hat Frankreich die moderne Zeitmessung über Jahrhunderte mitgeprägt. Meisteruhrmacher, Institutionen und Präzisionsindustrie haben eine Grundlage geschaffen, die bis heute wirkt. Das Handwerk der mechanischen Uhrmacherei und Kunstmechanik wurde 2020 gemeinsam von Frankreich und der Schweiz in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Heute verfolgt die französische Uhrenwelt gemeinsame Ziele: Know-how konsolidieren, nationale Produktion stärken und ein wettbewerbsfähiges Ökosystem strukturieren. Francéclat unterstützt diese Reindustrialisierungsstrategie gemeinsam mit France Horlogerie. Eingebunden sind Uhrenhersteller, Komponentenproduzenten, Montagebetriebe und Unternehmen für industrielle Instrumente.
Konkrete Schritte für mehr Produktion
Zu den Maßnahmen zählt eine Kartierung der französischen Uhrenindustrie. Dieses Instrument verbindet Marken mit industriellen Partnern wie Komponentenherstellern und Montagebetrieben. Die Veröffentlichung soll die Entwicklung neuer Uhrenprojekte in Frankreich erleichtern.
Eine weitere Maßnahme ist eine Machbarkeitsstudie zur Produktion von Uhrengehäusen. Sie soll helfen, eine strategische Aktivität in Frankreich zu strukturieren, auf Basis von Verlagerung, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Ziel ist es, Anforderungen, Innovationen und Potenzial der Gehäuseproduktion zu identifizieren und eine vollständige Wertschöpfungskette zu fördern.
Auch die Chronometrie wird gestärkt. Die Viper Certification aus Besançon soll Marken einen anerkannten, zugänglichen und wettbewerbsfähigen Präzisionstest bieten. Die Initiative knüpft an die Expertise des 1884 eröffneten Observatoriums von Besançon an und soll die historischen Wurzeln französischer Uhrmacherei mit moderner Prüftechnik verbinden.
Sechs Marken als Beispiele
1977 steht für die industrielle Erneuerung der französischen Uhrmacherei. Die Marke wurde 2023 in den elsässischen Werkstätten von Pierre Lannier gegründet und ist nach dem Gründungsjahr des Mutterunternehmens benannt. Sie arbeitet mit französischen Komponenten, darunter Lederbänder aus Besançon, Zeiger aus französischen Werkstätten und ein France Ébauches Kaliber aus der Region Doubs. Die Uhren sind als „Guaranteed French Origin“ zertifiziert.
Pequignet aus Morteau produziert seit über 50 Jahren französische Uhrmacherei. Seit 2011 besitzt das Unternehmen mit dem Calibre Royal® einen eigenen Manufakturstatus. Pequignet entwickelt und montiert eigene Uhrwerke in Frankreich und arbeitet mit regionalen Partnern in einem Umkreis von weniger als 80 Kilometern.
B.R.M Chronographes verbindet französische Uhrmacherei mit Motorsport. Die Marke fertigt und montiert ihre Uhren in Magny-en-Vexin nahe Paris. Materialien wie Titan, Carbon, Inconel und Tantal stehen für den technischen Anspruch. 2025 präsentierte B.R.M die V6-42-EV, die erste 42 Millimeter Automatikuhr der Marke mit sichtbarer Hemmung.
Beaubleu wurde 2017 in Paris gegründet und stellt eine neue Generation französischer Uhrmacher. Die Marke entwirft und montiert ihre Uhren im 3. Arrondissement. Charakteristisch sind runde Zeiger, Symmetrie und ein eigenes Verständnis von Zeit. In der Kollektion Seconde Française verbindet Beaubleu französische Lebensart mit Uhrmacherkultur.
Yema hat seine Wurzeln seit 1948 in Besançon und zählt zu den Marken, die die französische Uhrenidentität geprägt haben. Heute entwickelt Yema eigene Kaliber wie CMM.10, CMM.20 und CMM.31. Die Superman Tourbillon CMM.31 markiert 2025 einen wichtigen Schritt für die Marke und die französische Uhrmacherei.
Hegid verfolgt ein modulares Konzept, die Manufaktur aus Paris gibt es seit 2015. Das patentierte EVOL System ermöglicht es, Kapsel, Mittelteil und Armband ohne Werkzeug zu wechseln. Mehr als 95 Prozent des Wertes einer Hegid Uhr basieren laut Unternehmen in Frankreich, von Design über Komponenten bis zur Montage.
Frankreich baut auf Geschichte und neue Marken
Die Geschichte der Zeitmessung wurde lange in Frankreich mitgeschrieben. Namen wie Ferdinand Berthoud, Antide Janvier und Abraham-Louis Breguet prägten die moderne Zeitmessung. Besançon wurde später zur französischen Hauptstadt der Uhrmacherei, mit Uhrmacherschule, Chronometrie-Observatorium und staatlichen Manufakturen.
Heute stützt sich die Branche auf dieses Erbe und auf neue Marken. Neben 1977, Pequignet, B.R.M Chronographes, Beaubleu, Yema und Hegid engagieren sich auch Trilobe, March LA.B und Lip für Fertigungsschritte in Frankreich. Rund 90 französische Marken arbeiten inzwischen verstärkt mit französischen Komponentenherstellern zusammen.
Markenprofil
Francéclat
Francéclat fördert die internationale Entwicklung französischer Uhren-, Schmuck- und Tischkulturmarken und vernetzt diese mit Fachhandel und Geschäftspartnern weltweit. Mit Marktanalysen, Brancheninitiativen, internationalen Events und gemeinsamen Kommunikationsmaßnahmen stärkt Francéclat die Sichtbarkeit...
Mehr lesen











