Der Fachhändler gerät in Erklärungsdruck, wenn identische Modelle online schneller verfügbar sind. © Freepik
Der Kunde informiert sich online, sieht das gewünschte Modell und liest eine Lieferzeit von 48 Stunden. Im Fachgeschäft erhält er eine andere Auskunft. Acht Wochen. Für den Juwelier ist diese Situation längst Alltag, für den Kunden schwer nachvollziehbar. Was im Verkaufsgespräch entsteht, ist ein Erklärungsdruck, der nichts mit Beratungskompetenz oder Servicequalität zu tun hat, sondern mit strukturellen Prioritäten in der Lieferkette.
Lange Lieferzeiten sind mehr als ein logistisches Detail. Sie beeinflussen Vertrauen, Abschlusswahrscheinlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit im stationären Gespräch. Während Onlinekanäle und zentrale Handelsformen bevorzugt beliefert werden, gerät der Fachhandel zunehmend in eine defensive Position. Warum diese Unterschiede entstehen, welche Folgen sie für den Verkauf haben und weshalb Lieferfähigkeit eine strategische Frage ist, zeigt dieser Beitrag.
Zwei Tage online, acht Wochen stationär
Der Unterschied beginnt oft schon vor dem Verkaufsgespräch. Online wird ein Produkt mit kurzer Lieferzeit angezeigt, im Fachgeschäft liegt dieselbe Ware nicht sofort verfügbar. Für den Kunden entsteht ein Widerspruch, den der Juwelier erklären muss. Dabei geht es nicht um fehlende Kompetenz, sondern um unterschiedliche Prioritäten in der Belieferung. Schnelle Verfügbarkeit wird dort ermöglicht, wo Prozesse zentral gesteuert sind. Der Fachhandel bleibt trotz Beratung und Präsenz häufig nachrangig. Diese Diskrepanz prägt zunehmend die Wahrnehmung des stationären Angebots.
Lieferzeit entscheidet über Glaubwürdigkeit
Im Verkaufsgespräch ist die Lieferzeit ein zentraler Vertrauensfaktor. Wenn ein Produkt online kurzfristig verfügbar ist, im Fachgeschäft jedoch mit langer Wartezeit verbunden wird, gerät die Beratung in Erklärungsnot. Der Kunde zweifelt nicht an der Kompetenz des Juweliers, sondern an der Leistungsfähigkeit des stationären Angebots. Lange Lieferzeiten schwächen Argumente, verzögern Entscheidungen und erhöhen das Risiko, dass der Abschluss nicht im Geschäft erfolgt. Lieferfähigkeit wird damit zu einem entscheidenden Faktor für Glaubwürdigkeit und Abschluss.
Warum Beratung allein nicht reicht
Beratung ist eine zentrale Stärke des stationären Fachhandels. Sie schafft Vertrauen, erklärt Produkte und begleitet Kaufentscheidungen. Doch Beratung stößt dort an Grenzen, wo die Rahmenbedingungen nicht mitziehen. Wenn Lieferzeiten lang sind oder Verfügbarkeit fehlt, verliert selbst die beste Beratung an Wirkung. Der Kunde erwartet nicht nur Kompetenz, sondern auch zeitnahe Umsetzung. Kann der Fachhandel dieses Versprechen nicht einlösen, entsteht ein Wettbewerbsnachteil. Beratung bleibt bleibt wichtig, reicht aber allein nicht aus, wenn strukturelle Voraussetzungen fehlen.
Strukturelle Prioritäten in der Logistik
Lieferzeiten sind kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis klarer Prioritäten. Logistikprozesse orientieren sich dort zuerst an zentralen Strukturen, an Volumen und an digital steuerbaren Kanälen. Onlinevertrieb und Filialisten lassen sich effizient planen und bevorzugt bedienen. Der stationäre Fachhandel mit seinen einzelnen Standorten fällt aus dieser Logik heraus. Beratungskompetenz oder Markentreue spielen in der Lieferpriorisierung kaum eine Rolle. Das führt dazu, dass der Fachhandel trotz Verkaufsleistung und Kundennähe logistisch nachrangig behandelt wird. Diese strukturelle Ausrichtung wirkt sich direkt auf seine Wettbewerbsfähigkeit aus.
#gemeinsamstaerker als Hebel für Relevanz
Lieferfähigkeit wird dort priorisiert, wo Struktur, Bündelung und Verlässlichkeit erkennbar sind. Genau hier setzt #gemeinsamstaerker an. Die Initiative stärkt die kollektive Wahrnehmung des stationären Fachhandels und macht ihn wieder als relevantes Marktsegment sichtbar. Nicht als Einzeladresse, sondern als gemeinsamer Partner mit Gewicht. Diese Sichtbarkeit ist Voraussetzung dafür, in logistischen Entscheidungen berücksichtigt zu werden. #gemeinsamstaerker wirkt damit als Hebel, um Relevanz zurückzugewinnen und den Fachhandel wieder stärker in strategische Prioritäten einzubinden.











