Ende einer Ära: Wellendorff stellt seine Kordelcolliers ein

Wellendorff beendet nach 49 Jahren die Fertigung der Kordelcolliers „Silky“, „Comtesse“ und „Prinzesse“.© Wellendorff

Nach 49 Jahren beendet Wellendorff die Fertigung seiner erfolgreichen Kordelcolliers Silky, Comtesse und Prinzesse. Am 31. Juli 2026 um exakt 11:38 Uhr wurde in der Pforzheimer Manufaktur das letzte Collier „Prinzesse“ vollendet. Eine Entscheidung, die überrascht: Wellendorff nimmt ausgerechnet Bestseller aus dem Programm – und macht die heute existierenden Schmuckstücke damit endgültig zu einer begrenzten Zahl.



EIN BESTSELLER VERSCHWINDET

Normalerweise beendet eine Marke ein Produkt dann, wenn seine große Zeit vorbei ist. Wenn Nachfrage sinkt, ein Design an Bedeutung verliert oder Platz für Neues geschaffen werden muss. Wellendorff macht genau das Gegenteil. Silky, Comtesse und Prinzesse sind erfolgreich – und trotzdem ist Schluss.

Nach 49 Jahren hat die Pforzheimer Familienmanufaktur entschieden, die Fertigung ihrer bekannten Kordelcolliers endgültig einzustellen. Das letzte Collier „Prinzesse“ wurde am 31. Juli 2026 um 11:38 Uhr fertiggestellt.

Seit diesem Moment steht fest: Es kommen keine neuen Exemplare mehr hinzu. Was bislang fester Bestandteil des Wellendorff-Sortiments war, wird damit zu einer abgeschlossenen Epoche der Marke.

Das letzte Collier „Prinzesse“ wurde am 31. Juli 2026 um 11.38 Uhr in Pforzheim vollendet. © Wellendorff

WELLENDORFF SAGT „DANKE“

Christoph Wellendorff erklärt den ungewöhnlichen Schritt so: „Ein Moment, der sich nie wiederholen wird. Und das nur aus einem Grund: Wir wollen unseren Sammlerinnen und Sammlern Danke sagen.“

Die Marke spricht ganz bewusst von einem außergewöhnlichen „DANKE“ an jene Menschen, die die Kordelcolliers über Jahrzehnte getragen und gesammelt haben. Doch hinter dieser emotionalen Botschaft steckt eine Entscheidung mit großer Tragweite – insbesondere für den Fachhandel.

AUCH FÜR JUWELIERE EIN SCHMERZHAFTER SCHRITT

Silky, Comtesse und Prinzesse waren nicht einfach drei weitere Produkte in einer umfangreichen Kollektion. Für zahlreiche Wellendorff-Juweliere gehörten sie über viele Jahre zu den verlässlichen und wiedererkennbaren Bestandteilen des Sortiments. Kunden konnten die Colliers mit unterschiedlichen Schmuckelementen kombinieren, erweitern und über Jahre weiterentwickeln.

Gerade diese Kontinuität machte die Kordel für viele Händler interessant. Nun fällt sie weg. Für erfolgreiche Wellendorff-Partner bedeutet das zunächst einmal Verzicht auf ein Produkt, mit dem über Jahrzehnte Kunden begeistert und Umsätze erzielt wurden. Und genau deshalb ist der Schritt so ungewöhnlich.

BESONDERE ROLLE

Wellendorff selbst misst den Colliers eine besondere Rolle in der Geschichte der Manufaktur bei. Silky, Comtesse und Prinzesse hätten die unverwechselbare Handschrift des Unternehmens in die Welt getragen. Die besondere Verarbeitung habe dabei eine Art „dritte Dimension im Schmuck“ geschaffen: Schmuck, den man aufgrund seiner Haptik sogar mit geschlossenen Augen erkennen könne.

Damit endet nicht nur die Fertigung dreier Produktnamen. Es verschwindet eines jener Designs aus der laufenden Produktion, die über Jahrzehnte unmittelbar mit Wellendorff verbunden wurden.

VON TOKYO BIS NEW YORK

Die Geschichte der Kordeln ist dabei längst international. Wellendorff nennt Sammlerinnen und Sammler von Tokyo und Peking über San Francisco und New York bis Zürich, die Silky, Comtesse und Prinzesse zu persönlichen Begleitern gemacht haben.

Oft stehen hinter diesen Schmuckstücken Erinnerungen: an einen besonderen Menschen, an einen Erfolg, an Liebe oder an einen Moment des Glücks. Und genau diese Geschichten sollen nun Teil des Abschieds werden.

AUS DEM ABSCHIED WIRD EIN GESCHICHTSBUCH

Wellendorff lädt Besitzerinnen und Besitzer weltweit dazu ein, ihre persönliche Geschichte mit ihrer Kordel zu erzählen. Die Erinnerungen aus 49 Jahren sollen in einem eigenen Wellendorff-Geschichtsbuch gesammelt werden. Nicht nur Silky, Comtesse und Prinzesse sollen damit Teil der Geschichte der Manufaktur bleiben, sondern auch die Menschen, die diese Schmuckstücke getragen und ihnen ihre persönliche Bedeutung gegeben haben. Kommunikativ ist das geschickt.

Aus einer nüchternen Sortimentsentscheidung wird ein emotionaler Abschied. Aus Kunden werden Zeitzeugen. Und aus einem Produkt wird Geschichte.

VOM BESTSELLER ZUR RARITÄT

Noch entscheidender ist allerdings, was das Produktionsende für die existierenden Colliers bedeutet. Ihre Zahl ist ab sofort begrenzt.

Wellendorff selbst formuliert es klar: Aus Bestsellern werden seltene Raritäten. Ob daraus langfristig tatsächlich höhere Sammler- oder Wiederverkaufswerte entstehen, wird erst der Markt zeigen. Eines verändert sich jedoch unmittelbar: die Verfügbarkeit. Was bislang nachproduziert werden konnte, ist plötzlich endlich. Und Endlichkeit gehört zu den stärksten Mechanismen des Luxus.

BLICKPUNKT JUWELIER ERFÄHRT DIE HINTERGRÜNDE

In einem persönlichen Gespräch mit Blickpunkt·Juwelier gibt Christoph Wellendorff Einblick in die Gedanken hinter diesem außergewöhnlichen Schritt. Dabei wird schnell deutlich: Hinter dem viel kommunizierten „DANKE“ steckt noch eine zweite Ebene.

Wellendorff beendet die Kordel nicht, weil sie erfolglos geworden ist. Die Familie beendet sie gerade deshalb, weil sie erfolgreich ist. Statt darauf zu warten, dass eine große Kollektion irgendwann langsam an Kraft verliert, setzt Wellendorff den Schlusspunkt selbst.

Und genau damit beginnt der zweite Teil dieser Geschichte. Fortsetzung folgt…

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