Die Kaufentscheidung beginnt oft digital: Gerade jüngere Kunden vergleichen Diamantoptionen heute frühzeitig auf dem Smartphone. © Chat GPT
Der Diamantmarkt steht 2026 nicht nur unter Preisdruck, sondern vor einer komplexen Verschiebung. Vor allem jüngere Käufer verändern die Nachfrage im Verlobungsringsegment spürbar. Gleichzeitig zeigen Maßnahmen und Zahlen von De Beers, dass der Druck auf natürliche Diamanten inzwischen in der Industrie selbst angekommen ist.
Gen Z verändert die Logik des Verlobungsrings
Besonders sichtbar wird der Wandel im Bridal Markt. The Knot berichtet, dass 2025 bereits 61 Prozent der Paare bei Verlobungsringen einen Labordiamanten wählten. Schon in der 2023er Studie lag der Anteil lab-grown Center Stones bei 46 Prozent, 2019 waren es erst 12 Prozent. Parallel zeigt die Studie, dass Gen Z früher über Verlobung spricht als Millennials und Social Media deutlich intensiver in die Planung einbindet. Das spricht für eine Zielgruppe, die stärker auf Vergleichbarkeit, Preis, Transparenz und persönliche Passung achtet als auf traditionelle Statuslogik.
Preisvorteil und Akzeptanz treiben den Wechsel
Der Kern des Trends ist ökonomisch leicht erklärbar. Labordiamanten ermöglichen größere oder hochwertiger wirkende Steine bei deutlich geringerem Budget. Das verändert die Kaufentscheidung vieler jüngerer Kunden. Die Verschiebung trifft damit ausgerechnet jenes Segment, das den Naturdiamantmarkt über Jahrzehnte stabilisiert hat: den Verlobungsring. Dass sich Käufer dabei nicht von Diamanten insgesamt abwenden, sondern die Kategorie neu definieren, ist für den Handel der entscheidende Punkt.

De Beers zeigt, dass der Druck real ist
Dass es sich nicht nur um ein Medienthema handelt, belegen die Zahlen von De Beers und Anglo American in Bezug auf natürliche Diamanten. De Beers reduzierte seine Produktion 2025 um 12 Prozent auf 21,7 Millionen Carat, im vierten Quartal sogar um 35 Prozent. Anglo American schrieb den Wert von De Beers im Februar 2026 um weitere 2,3 Milliarden US Dollar nach unten. Als Gründe nannte das Unternehmen niedrigere Preisannahmen, eine schwächere Nachfrage und eine stärkere Verschiebung zwischen natürlichen und im Labor erzeugten Diamanten.
Der Markt differenziert sich stärker aus
Hinzu kommt, dass sich der Preisdruck nicht in allen Warengruppen gleich zeigt. Rapaport berichtete Ende Februar, dass De Beers die Preise für Rohdiamanten ab 5 Carat anhob, während Standardware, also kleinere Steine, weiter unter Druck stand. Das deutet auf einen Markt hin, in dem sich knappe, große oder besonders gut positionierte Naturware stabiler halten kann, während breite Handelsqualitäten deutlich schwieriger werden.

Naturdiamanten müssen ihre Erzählung neu aufladen
De Beers reagiert darauf mit stärkerem Storytelling rund um Herkunft, Seltenheit und Rückverfolgbarkeit. Die Gruppe verweist auf ihre Origins Strategie, neue Marketingkampagnen für natürliche Diamanten und auf ORIGIN De Beers Group mit Tracr. Für unsere Branche heißt das: Der Markt wird künftig weniger von alten Gewissheiten getragen und stärker von klarer Zielgruppenansprache, Herkunftserzählung und Preislogik.












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