Rückblick 2020: Was wir für 2021 gelernt haben

Der dritte Lockdown kurz NACH  Weihnachten wird dem Fachhandel schwer zu schaffen machen. Trotzdem aber gab es auch 2020 einige Erfolgsgeschichten die zeigen, wie Erfolg im Jahr 2021 wahrscheinlich wird.


Lockdown mit Ideenreichtum gemeistert

Unterm Strich kann man sagen, dass Juweliere im Vergleich zu den meisten anderen Handelssparten noch vergleichsweise gut durchs erste Corona-Jahr gekommen sind. Reisebüros, Veranstalter, Brautmodengeschäfte oder Gastronomen sind durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht, der Juwelier nicht – wenn es ein echter Juwelier ist. Der reine Trendhändler in teurer Frequenzlage hatte schon aufgrund der rückläufigen Frequenz wenige Möglichkeiten, ein Minus abzufangen. Zudem hat er mit seinem Sortiment Nachteile, da es dies oft auch online zu kaufen gibt. Ein Juwelier mit Werkstatt dagegen konnte zumindest in der Zeit der Lockdowns weiterarbeiten. Serviceleistungen wie Uhrenarmbandwechsel, Reparaturen oder auch eigene Schmuckanfertigungen wurde auch in Lockdown-Zeiten groß geschrieben.

„DerJuwelier.at“ war in den stürmischen Tagen und Wochen immer mit konstruktiven Tipps online und konnte über zahlreiche tolle Ideen aus dem Handel berichten.

Viele Juweliere haben den ersten Lockdown mit Ideenreichtum gemeistert. Sei es der radelnde Händler, der seinen Kunden Uhren und Schmuck nach Hause bringt, der Juwelier mit Reparatur-Sammelbox vorm Geschäft oder der singende Goldschmied, der eigens einen Mut-Mach-Song komponierte. Sie alle werden voraussichtlich auch den zweiten Stillstand überleben. Weil sie nicht aufgeben!

Ebenso wie die treuen Lieferanten, die ihren Partner-Juwelieren immer wieder Mut machten. Allen voran Palido-Chef Christoph Paukner der an der Zusammenhang innerhalb der Branche appellierte und dafür warb, sich der Situation zu stellen, anstatt in Panik zu verfallen. Andere Lieferanten boten längere Zahlungsziele, setzten ihre Lastschriftverfahren aus und rührten auf ihren Marketingkanälen die Werbetrommel für den stationären Fachhandel.

Paukner und Kurz
Palido-Chef Christoph Paukner (auf dem Bild zusammen mit dem österr. Bundeskanzler Sebastian Kurz)
Georg de Witt
Georg de Witt bot im ersten Lockdown kontaktloses Shopping & Reparaturen an. Die Ware wird per Fahrrad gebracht.

Die Angst vor Geldentwertung

Grundsätzlich hat sich herausgestellt, dass es Juweliere im gehobenen Niveau einfacher hatten. Zahlreiche Premium-Juweliere berichten trotz Lockdown von besseren Schmuckumsätzen im Jahr 2020, denn die Kauflust der Konsumenten war dann doch vorhanden. Juwelier Christoph Kuhnle aus Fürth berichtet in unserer Sonderausgabe „Premium“: „Direkt nach dem Lockdown kamen bereits erste starke Schmuckverkäufe dazu. Wir hatten das Gefühl, dass die Kunden froh waren, wieder raus zu dürfen. Es gab eine Art Nachholbedarf. Und wir haben auch das Gefühl, dass die Konten gut gefüllt sind, dass Budget vorhanden ist und man sich etwas Gutes tun will.“ Gleiches Bild wenige Kilometer weiter bei Eva Grossmann von Galerie Voigt in Nürnberg. Auch sie berichtet von hochwertigeren Verkäufen. „Der Trend nach Höherwertigem ist generell vorhanden, sowohl was das höherwertige Material als auch das höherwertigere Design angeht. Wenn dem Kunden etwas gefällt, dann kauft er es sich“, so Grossmann. Zwei mögliche Gründe für die Investitionsfreude des Konsumenten äußert Grossmann. Zum einen bleibe durch abgesagte Urlaube und Feste mehr Budget übrig. Allerdings, so Grossmann spiele auch die Angst vor Geldentwertung eine Rolle, so dass viele Konsumenten von ihrem Ersparten gern noch etwas Schönes gönnen wollen. „Geld ist gerade vorhanden und es könnte ja mal weniger wert sein.“

Blickpunkt Premium

Unisono berichten auch Trauring-Juweliere von gestiegenen Durchschnittspreisen. Dies liegt zum einen am hohen Goldkurs, der das ganze Jahr 2020 über auf Rekordniveau war. Allerdings kam es auch zu einer starken Nachfrage nach Platin, da der Kurs im Vergleich zu Gold historisch niedrig war. Weiterhin konstant stark war das Geschäft mit Verlobungsringen im Handel. Ungebrochen auch der Trend nach mehr und qualitativ besseren Diamanten.