Online wird langfristig von Krise profitieren

Während den Einzelhandel Existenzängste plagen, verzeichnet der Online-Handel starke Zuwächse. Handelsexperten sind sich einig: Die Einkaufsgewohnheiten werden sich infolge der Coronavirus-Krise nachhaltig verändern. Verlierer sind stationäre Fachhändler ohne Internetangebot.


Harald Gutschi, Chef der Otto Gruppe (Universal, Otto) zählt eindeutig zu den Gewinnern der Corona-Krise. Er verzeichnet derzeit „Umsätze, die zweistellig über denen des Vorjahres liegen.“ Und er ist gut gerüstet. Gegenüber dem Trend sagte er: „Wir haben rund eine Million Artikel in unseren Shops verfügbar – und die Lieferkanäle in China kommen schon wieder in Schwung.“ Wobei derzeit unterschiedliche Segmente besonders nachgefragt werden – wie etwa Yogamatten, TV-Geräte oder Gaming-Ausrüstung.

Die Gewinner

Amazon startet gerade die größte Mitarbeiter-Aquisition und will 100.000 Mitarbeiter für Lager und Auslieferung in den USA einstellen, um den Anstieg der Online-Bestellungen wegen der Coronavirus-Epidemie zu bewältigen. Aber auch regionale Anbieter wie etwa shoepping.at, das Shopping-Portal der österreichischen Post, das einen Marktplatz vor allem für österreichische Händler bietet, verzeichnen steigende Nachfrage.

Der größte Gewinner ist also der Online-Handel. Davon gehen auch der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Kai Hudetz, und der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein aus. Die Krise gebe dem Online-Handel noch einmal einen kräftigen Schub, sagte Hudetz. Zwar bekomme auch der Internethandel derzeit die generelle Verunsicherung der Verbraucher zu spüren. Aber wenn noch etwas gekauft werde, dann besonders gerne im Internet.

Und dieser – jetzt zwar staatlich verordnete – Rückzug ins neue Biedermeier in den eigenen vier Wänden wird lt. vielen Experten auch nach der Corona-Krise weiter anhalten. „Es ist damit zu rechnen, dass der Online-Handel auch langfristig von dieser Krise profitieren wird. Auch wenn das Thema Coronavirus vorbei ist, wird weiterhin mehr online eingekauft werden als vor der Krise“, prognostizierte Hudetz. Verlierer würden die kleinen stationären Läden ohne Internetangebot sein. „Wer jetzt kein Online-Angebot hat, steht ohne funktionierenden Vertriebsweg da und kann die Versäumnisse der Vergangenheit auch kaum nachholen.“ Denn die Experten sind sich einig: Auch ältere Menschen werden jetzt auf die Vorzüge des Online-Handels aufmerksam. Das wird bleiben. „Die Leute gewöhnen sich daran und merken: Das funktioniert.“

„Es ist damit zu rechnen, dass der Online-Handel auch langfristig von dieser Krise profitieren wird.“                Kai Hudetz, Institut für Handelsforschung (IFH)

 

Jetzt aktiv sein und Onlineaktivitäten planen & durchführen

Palido-Chef Christoph Paukner, rät dem Fachhandel (LINK), auch wenn die Geschäfte jetzt geschlossen sind, aktiv zu bleiben und genau jetzt Marketingaktionen zu planen und durchzuführen:

o Überprüfung der eigenen Online‐Aktivitäten.
o Aufbau oder Weiterentwicklung der Social Media Aktivitäten.
o Bieten Sie Hauszustellung/Postversand Ihrer Schmuckstücke an (Kommunikation via E‐Mail, Social Media, ev. sogar Postwurf bzw. Inserat).
o Überlegen Sie einen „Corona“‐Abverkauf im Online‐Handel (dieser ist derzeit nicht limitiert) auf abverkaufswürdige Produkte.
o Aktivierung und Pflege persönlicher Kontakte durch kommunikativen Austausch welcher Art auch immer.
o Online‐Bewerbung von Schmuckstücken, die Symbol der Zusammengehörigkeit sind (Verlobungsringe, Symbole der Dankbarkeit, etc.)
o Bewerbung Ihres Online‐Sortiments bzw. Ihrer Versandmöglichkeiten via WhatsApp.
o Gold ist wertbeständig – es hat alle Krisen überwunden.

Fazit

Die Rollbalken sind zu, doch die Online-Zugänge bleiben offen – die Frage ist: Können das auch Juweliere, die bereits einen Online-Shop betreiben aktuell nutzen, haben die Konsumenten derzeit überhaupt Interesse an Uhren und Schmuck? Auch falls das nicht der Fall sein sollte: Die Kaufgewohnheiten der Konsumenten werden sich langfristig ändern – denn einmal die Vorzüge des Online Shoppings entdeckt, wird es nach Corona nicht wieder eine 180-Grad-Wende geben.

Juweliere sollen also nicht nur per Facebook ihre Community dazu aufrufen, statt bei Amazon bei regionalen Online-Anbietern einzukaufen, sondern sich auch selbst online fit machen. Das muss jetzt nicht unbedingt ein eigener Shop sein. Aber zumindest eine ansprechende Homepage, die laufend über Produktneuheiten und die Aktivitäten des Hauses berichtet, wird künftig bei der Kundenkommunikation wichtiger denn je sein.